Verena Tschudin, Winterthur. Über dreissig Jahre Treuhand und Vorsorgeberatung, heute pensioniert.
Ein nüchterner Überblick für die Deutschschweiz, mit den Kosten und den Warnzeichen.
Die meisten Paare, die in den letzten Jahren bei mir am Tisch sassen, haben sich nicht im Internet kennengelernt, sondern auf einer Wanderung, im Chor oder beim Nachtessen bei Freunden. Ein paar wenige über eine Plattform. Beides ist heute normal, und beides hat seine eigenen Regeln.
Dieses Merkblatt ist kein Ratgeber in Herzensdingen. Es sagt Ihnen, wo man ab 60 in der Schweiz realistischerweise jemanden trifft, was das kostet und worauf Sie achten sollten, damit aus einer Bekanntschaft keine teure Geschichte wird.
Viele sagen mir, die Partnersuche ab 60 sei schwierig. Das stimmt, aber meistens aus praktischen Gründen und nicht, weil niemand mehr Interesse hätte. Der Freundeskreis besteht oft aus Paaren, die Arbeit als Ort der Begegnung fällt weg, und wer verwitwet ist, hat manchmal jahrzehntelang nicht mehr "gesucht".
Dazu kommt das Ungleichgewicht: In dieser Altersgruppe gibt es mehr alleinstehende Frauen als Männer, und die Männer suchen statistisch gesehen eher etwas jüngere Partnerinnen. Das muss Sie nicht entmutigen, es erklärt aber, warum Geduld dazugehört.
Der beste Rat, den ich weitergeben kann, ist ziemlich unspektakulär: Machen Sie regelmässig etwas mit anderen Menschen, das Ihnen auch ohne Hintergedanken Freude macht. Wer jede Woche am gleichen Ort ist, wird gesehen und kommt ins Gespräch.
Das klingt nach Altersprogramm, ist es aber nicht. Eine Kundin von mir hat ihren zweiten Mann in einem Fotokurs kennengelernt, mit 67. Er war der Einzige, der die Blende erklären konnte.
Auch ab 60 melden sich heute viele bei einer Partnerbörse an, und zwar zunehmend auch Frauen. Grob gibt es drei Arten von Angeboten:
Wer sich für eine Plattform speziell für diese Altersgruppe interessiert, findet im Netz ausführliche Erfahrungsberichte, die ziemlich nüchtern beschreiben, wie es dort zugeht. Lesen Sie solche Berichte, bevor Sie ein Abo abschliessen, und achten Sie dabei auf die Abo-Dauer und die Kündigungsfrist.
Online kaum, jedenfalls nicht bei den seriösen Anbietern. Ein Profil anlegen und den Test machen kostet meistens nichts. Sobald Sie jemandem antworten wollen, verlangt die Plattform aber ein Abo. Plattformen, die alles gratis versprechen, finanzieren sich oft über Werbung oder haben auffällig viele Profile, die nie antworten. Wirklich kostenlos sind die Wege ohne Internet weiter oben.
Die Preise stehen bei vielen Anbietern erst nach der Anmeldung. Bei einem Jahresabo kommen schnell einige hundert Franken zusammen, und kurze Laufzeiten sind pro Monat gerechnet deutlich teurer. Wichtig: Fast alle Abos laufen stillschweigend weiter, wenn die Kündigung nicht fristgerecht eintrifft. Tragen Sie das Kündigungsdatum gleich nach dem Abschluss in Ihre Agenda ein, schriftlich kündigen und die Bestätigung aufbewahren.
Liebesbetrug, auf Englisch Romance Scam, trifft überdurchschnittlich oft Menschen über 60. Die Täter sind geduldig und geschickt, und sie zahlen ohne Weiteres ein Abo, wenn sie sich davon ein Opfer versprechen. Ein kostenpflichtiges Portal schützt also nicht von allein.
Die Regel ist einfach: Wer Sie nie in die Augen geschaut hat, bekommt von Ihnen keinen Rappen. Melden Sie verdächtige Profile der Plattform. Die Schweizerische Kriminalprävention hat auf ihrer Website eine gute Seite zum Thema, und bei der Polizei kann man Anzeige erstatten, auch wenn es einem peinlich ist.
Treffen Sie sich an einem öffentlichen Ort, am Tag, in einem Café oder bei einem Spaziergang an einem belebten Ort. Sagen Sie jemandem aus der Familie oder dem Freundeskreis, wo Sie sind. Fahren Sie selber hin und wieder heim. Das ist keine übertriebene Vorsicht, das machen auch Zwanzigjährige so.
Und erwarten Sie nicht zu viel. Ein erstes Treffen ist ein Kaffee, kein Vorstellungsgespräch. Wenn es nicht passt, haben Sie einen Nachmittag in der Stadt verbracht.
Dann kommen die Fragen, wegen denen es diese Seite gibt: Zieht man zusammen? Heiratet man? Was passiert mit der Witwenrente, mit der AHV, mit dem Erbe für die Kinder? Auf der Hauptseite finden Sie den Vergleich der drei Wege und eine Entscheidungshilfe mit fünf Fragen. Die Einzelheiten stehen in den Merkblättern, zum Beispiel zur Witwenrente im Konkubinat oder zum Konkubinatsvertrag.
Lassen Sie sich mit diesen Fragen aber ruhig Zeit. Zuerst kommt das Kennenlernen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Massgebend sind Gesetz, Reglement und die Auskunft der zuständigen Stelle.